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Im Weblog des ASTA des FU Berlin findet sich die Meldung, dass es in der Philologischen Bibliothek, auch bekannt als "the brain", Benutzungseinschränkungen gibt:
Meldung des ASTA

Danach werden die Nutzer beim Betreten der Bibliothek nach ihrer Fachbereichszugehörigkeit gefragt. Wer einem einschlägigen Fachbereich nicht angehört, muss seine Forschungsinteressen offenbaren, um Einlass zu erhalten.

Hintergrund der Maßnahme ist die starke Nutzung der Bibliothek.

Die u.a. in einer "Rundmail" angekündigte bzw. verfügte Maßnahme ist rechtlichen Bedenken ausgesetzt.

Nach § 2 Nr. 2 der Benutzungsordnung für die Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin vom 27. 10. 2004 können "die Informationseinrichtungen und die frei zugänglichen Bestände der Lesesäle und des Zeitschriftenfreihandmagazins ... von allen Personen über 16 Jahre ohne Benutzungsausweis benutzt werden."

Die Philologische Bibliothek der FU Berlin stellt danach eine allgemein zugängliche Informationsquelle im Sinne von Art. 5 Abs. 1 S. 1, 2. Hs. GG dar. Die Frage nach der Fakultätszugehörigkeit und erst recht nach den Forschungsinteressen stellt einen Eingriff in das Grundrecht dar. In der Literatur wird bereits eine Registrierung wegen des mit ihr verundenen Einschüchterungseffekts als Grundrechtseingriff gewertet, vgl. Wendt, in: vonMünch/Kunig, Grundgesetz-Kommentar, 5. Aufl., München 2000, Art. 5, Rn. 27.

Ein Eingriff freilich ist möglich, muß aber nach Art. 5 Abs. 2 GG eine gesetzliche Grundlage haben. In der Benutzungsordnung der Bibliothek ist eine solche Grundlage nicht ersichtlich. Auch ist es fraglich, die Reglementierungen auf ein allgemeines Hausrecht oder ordnungsrechtliche Befugnisse zu stützen.

Wenn man entsprechende Beschränkungen vornehmen will, was man durchaus in verhältnismäßiger Weise tun darf, ist eine Änderung der Benutzungsordnung notwendig, die derartige Maßnahmen ausdrücklich gestattet. Allerdings müßte darüber nachgedacht werden, ob nicht ein milderes Mittel als die Offenbarung von Forschungsinteressen denkbar wäre.

Bedenklich wird eine weitgehende Abschottung der Bibliothek vor Externen mit Blick auf die Vergünstigungen bei der Buchpreisbindung. Nach § 7 Abs. 2 Buchpreisbindungsgesetz erhalten wissenschaftliche Bibliotheken nur dann rechtmäßig einen Bibliotheksnachlass, wenn sie für jeden auf ihrem Gebiet wissenschaftlich Arbeitenden zugänglich sind. An einer solchen Zugänglichkeit fehlt es, wenn die Benutzung der Bibliothek an eine Sondergenehmigung geknüpft wird, vgl. Franzen/Wallenfels/Russ, Preisbindungsgesetz, 4. Aufl., München 2002, § 7 Rn. 6

Die Maßnahme an der FU Berlin ist demnach bibliotheksrechtlich kritisch zu sehen. Der interessierte Zeitgenosse wird nach den Eintrittsgeldern in der Staatsbibliothek zu Berlin denken: Schon wieder Berlin!

Vielleicht können wir in Berlin einfach die starke Bedeutung von Bibliotheken in der Wissensgesellschaft besichtigen. Wenn die Reaktion der Bibliotheken auf diese Wertschätzung eine Abdrängung der Nutzer ist, kann man das aus Sicht der Einrichtung, die in den gegebenen Verhältnisse der Lage Herr werden will, verstehen. Insgesamt aber sollte der Befund eher ein Aufruf sein, neue und größere Bibliotheken zu errichten. Das wäre ein wichtiger Beitrag des Gemeinwesens zur informationellen Daseinsvorsorge in der Wissensgesellschaft.