Angesichts vielfältiger Reformen in den Hochschulgesetzen der Länder gibt ein Beitrag von Thomas Groß Auskunft über unverzichtbare Grundprinzipien der Hochschulorganisation, sonfern diese den Anforderungen an die grundgesetzlich geschüzte Wissenschaftsfreiheit gerecht werden soll.

Im Zentrum der Ausführungen steht die akademische Selbstverwaltung. Damit wird ein Rechtsraum umschrieben, weisungsfrei und nach eigenen Zweckmäßigkeitsgesichtspunkten zu handeln.
S. 722

Im Rahmen der Selbstverwaltung unterfällt die Hochschule nur der Rechtsaufsicht des Landes, die erst dann (im Nachhinein!) einschreiten kann, wenn die Hochschule gegen Rechtsvorschriften verstößt.
S. 723 f.

Ein weiteres wichtiges Kennzeichen der Selbstverwaltung ist das Satzungsrecht. Die Hochschule kann hier alle auf Forschung und Lehre bezogenen Fragen eigenständig verbindlich regeln.

Im weiteren Verlauf des Aufsatzes stellt Groß die Organsation der Hochschule als Anstalt und Körperschaft zugleich heraus. Die körperschaftliche Organisation erfordere ein Mindestmaß an Betroffenenpartizipation. Dies setzte dem Abbau von Mitbestimmung an der Hochschule eine klare Grenze.

Insgesamt steht Groß dem Versuch, die traditionelle akademische Selbstverwaltung durch eine Management-Universität zu ersetzen, kritisch gegenüber. Die Verfassung setzt der Angleichung der Hochschulen an ein Wirtschaftsunternehmen klare Grenzen.

Bibliotheksrechtlich ist der Aufsatz von Groß vor allem mit Blick auf seine Ausführungen zur Selbstverwaltung beachtlich. Da es die meisten Hochschulgesetze versäumt haben, die über die Versorgung von Forschung und Lehre hinausgeheneden bibliothekarischen Aufgaben gesetzlich zu normieren, stellt das Bibliothekswesen an der Hochschule insgesamt eine Selbstverwaltungsangelegenheit dar, die keinen Weisungen des zuständigen Ministeriums unterliegt.

Für die Geltung der Leihverkehrsordnung, die Betreuung wertvollen Altbestandes oder landesbibliothekarische Aufgaben ist dies nicht optimal.

Man kann diese wenig sachgerechte „Untersteuerung“ durch ein Bibliotheksgesetz oder im Hochschulgesetz selbst durch die explizite Ausweisung staatlicher Aufgaben im Bibliotheksbereich beheben.

Beispielhaft sei hier genannt § 56 Nr. 9 Hochschulgesetz des Landes Sachsen-Anhalt (HSG LSA) vom 5. Mai 2004 : "Staatliches Angelegenheiten der Hochschule sind Aufgaben der Bibliotheken der Hochschulen, die über die bibliothekarische Versorgung der Hochschule hinausgehen."

Quelle: Thomas Groß, Das Selbstverwaltungsrecht der Universität – Zusätzliches zur Wissenschaftsfreiheit, in: DVBl. 2006, H. 12, S. 721-728