Eine kleine Anfrage der Abgeordneten Geywitz (SPD) vom 12. August 2005 hat die Hochschulbibliotheken im Land Brandenburg zum Gegenstand, LT-Drs. 4/1703.

Die Antwort der Landesregierung in LT-Drs. 4/1898 vom 19. September 2005 enthält einige interessante Aussagen.

So findet man u.a. die Stellenpläne der Bibliotheken. Daraus wird ersichtlich, dass es in Brandenburg mind. 21 bibliothekarische Beamtenstellen gibt (die Zahlen aus Cottbus lagen der Landesregierung nicht vor).

Sehr bemerkenswert ist die Position der Landesregierung zur Bedeutung der Hochschulbibliotheken für die Allgemeinheit:

"Jeder Bürger hat einen grundgesetzlich garantierten Anspruch, auf Wissen und Information zugreifen zu können. Neben der Funktion der Hochschulbibliotheken als Träger des Informations− und Wissensmanagements für Lehre und Forschung entwickelt sich immer stärker die Wirkung der Bibliotheken "nach draußen". Diese Öffnung ist ein eminent wichtiges wissenschaftspolitisches Anliegen. Sie bietet neben der Erschließung von Berufs− und Weiterbildungsmöglichkeiten und des Technologietransfers auch Förder− und Entwicklungsmöglichkeiten für die gewerbliche Wirtschaft."

Weiterhin werden die in den Hochschulbiliotheken vorhandenen Spezialsammlungen gewürdigt. Ausdrücklich hervorgehoben werden "kulturpolitische" Beiträge der Bibliotheken wie etwa Ausstellungen, Konzerte und Tagungen.

Auch die Themen Open Access und Digitalisierung werden behandelt:
"Im Zusammenhang mit den Diskussionen zur "Neuordnung des Informations− und Publikationssystems der deutschen Hochschulen" in KMK − und Bibliotheksgremien hat die Landesregierung auch im Hinblick auf die Schaffung der rechtlichen Rahmenbedingungen für den Einsatz elektronischer Publikationen im Rahmen des 2. Korbs zum Urheberrecht die Einführung neuer Strukturen und Publikationsformen stets unterstützt und wird das auch in Zukunft tun."

Man wird das Abstimmungsverhalten des Landes Brandenburg im Bundesrat vor dem Hintergrund dieser Aussage mit Interesse verfolgen.

Weiter heißt es:
"Das Internet hat die Voraussetzungen geschaffen, Wissen weltweit zugänglich zu machen. Die großen deutschen Wissenschaftsorganisationen und eine Vielzahl nationaler und internationaler Organisationen haben in der "Berliner Erklärung über den offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen" die Notwendigkeit, die Ziele und ihre Unterstützung des "Open Access" niedergelegt. Das Land Brandenburg sieht darin einen entscheidenden Beitrag zur rascheren Zugänglichmachung von Wissen weltweit und nicht zuletzt auch zur Entlastung der Bibliotheksetats."

Die positive Grundeinstellung zu Open Access ist lobenswert. Die Annahme freilich, mit Open Access könnten die Bibliotheksetats entlastet werden, ist was für die bibliothekarische Märchenstunde.

Solche Aussagen sind nicht nur in der Sache falsch, da nachhaltiges Open Access Investionen in Personal und Sachmittel an der eigenen Einrichtung erfordert, sie sind auch politisch unklug. In der Bundestagsdebatte zum Zweiten Korb wurde genau dieser Punkt polemisch hervorgehoben und gegen die "Freibier-Mentalität" der Open-Access-Befürworter ins Feld geführt.

Dennoch: Eine bemerkenswerte Landtagsdrucksache, die die Bedeutung der Hochschulbibliotheken über den engen Kreis der Hochschule hinaus angemessen würdigt.