Die ULB Halle betreibt seit 1998 einen Server für Hochschulschriften, auf dem sich mittlerweile über 1000 Dissertationen befinden. Dies dient der Verbreitung der Werke. In diesem Sinne ist auf der Homepage zu lesen
"Die ULB informiert ihre Tauschpartner und ggf. darüber hinaus gehend die betreffende Sondersammelgebietsbibliothek mit den bibliographischen Daten und der URL über die elektronische Publikation des Werkes. Diese erhalten somit die Möglichkeit, hierauf zu verweisen oder die Publikation für den Bestand der eigenen elektronischen Bibliothek herunterzuladen."
Quelle: http://sundoc.bibliothek.uni-halle.de/pub/text.htm

Einzelheiten der Publikation finden sich in einem "Vertrag über die Veröffentlichung eines Werkes im Internet". (Link) Dem unbefangenen Leser scheint dieser Vertrag reichlich überreguliert. Beim näheren Hinsehen gibt es diesen Befund:

Art. 3: das der ULB eingeräumte einfache Nutzungsrecht beinhaltet nicht die Befugnis, anderen Bibliotheken den Download in ihre eigene Digitale Bibliothek zu gestatten.

Art. 6 Abs. 1: Vertragslaufzeit ist zehn Jahre. Bei Dissertationen und Habilitationen endet der Vertrag, wenn nicht der Autor sich bei der ULB Halle meldet und verlängert, Art. 9 Abs. 4. Danach soll die ULB berechtigt sein, die Bereitstellung im Internet zum Ende der Vertragslaufzeit zu beenden.

Wenn der Vertrag aber nicht verlängert wird, ist die ULB nicht bloß berechtigt, sondern verpflichtet, das Dokument aus dem Netz zu nehmen.

Schwerwiegender ist die im Vertrag statuierte elekronische Dissertation mit Verfallsdatum. Die Publikation einer Dissertation ist Teil der Promotionsleistung und als solche ohne Gefahr für den akademischen Grad nicht rücknehmbar. Soweit also eine Promotionsordnung die alleinige elektronische Dissertation zuläßt, ergibt sich daraus, daß das Nutzungsrecht der ULB dauerhaft und nicht rücknehmbar eingeräumt wird.

Vgl. etwa § 14 der Promotionsordnung der Mathematisch-Naturwissenschaftlich-Technischen Fakultät
der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg vom 03.02.2004 (Amtsblatt, 14. Jahrgang, Nr. 5 vom 9. November 2004, S. 8) (Link)

Veröffentlichung der Dissertation

(1) Die Dissertation ist der wissenschaftlichen Öffentlichkeit in angemessener Weise innerhalb eines Jahres zugänglich zu machen.

(2) Abs. 1 ist erfüllt, wenn die Doktorandin bzw. der Doktorand 30 Exemplare (bzw. 20 Exemplare bei Veröffentlichung im Verlag mit ISBN bzw. ISSN) der Dissertation nach der Verteidigung in der Dissertationsstelle der Universitäts- und Landesbibliothek abgeliefert hat.

(3) Abs. 1 ist auch erfüllt, wenn die Doktorandin bzw. der Doktorand nach Zustimmung der Betreuerin bzw. des Betreuers die elektronische Publikation der Dissertation entsprechend den Regelungen der Universitäts- und Landesbibliothek wählt (4 gedruckte Exemplare und Datenträger) und der Universitäts- und Landesbibliothek das Recht überträgt, die elektronische Version in Datennetzen zu veröffentlichen.

Die in § 14 Abs. 3 erwähnten vier gedruckten Exemplare würden nach Ablauf der Zehnjahresfrist die angemessene Zugänglichkeit für die wissenschaftliche Öffentlichkeit nicht mehr gewährleisten. Das ergibt sich aus dem Gegenschluß aus § 14 Abs. 2, wonach der Regelfall die Verlagspublikation bzw. 30 Exemplare sind. Die elektronische Fassung muß daher wenigstens den Verbreitungsgrad der 30 Exemplare erreichen.